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Der große Madhva Acharya

Eine kurze Biografie
Sri Madhva Acharya, auch als Vasudeva, Ananda Tirtha und Purnaprajna bekannt, ist einer von Indiens bekanntesten Theologen. Er ist der Begründer der philosofischen Liene des Dvaita und einer der wichtigsten Kommentatoren der Upanischaden, der Bhagavad-gita und des Vedanta-Sutra. Seine Lehre stellt fest, dass diese Welt Wirklichkeit ist und dass zwischen Gott und der individuellen Seele ein ewiger und unveränderlicher Unterschied besteht.

Madhva Acharyas Leben wurde von Narayana Bhatta, einem seiner Schüler, in einer Biografie namens Madhva-vijaya aufgezeichnet.

Madhva Acharya wurde im heutigen indischen Bundesstaat Karnataka nahe der Stadt Udupi geboren. Bereits im Alter von 8 Jahren äußerte der junge Vasudeva, so nannten ihn seine Eltern, den Wunsch ein Asket zu werden.

Madhva Acharyas Eltern willigten jedoch nicht ein. Doch als Madhva 16 Jahre alt war, verließ er sein Elternhaus und wurde ein Sannyasi (ein entsagter Asket und Mönch). Sein Guru gab ihm den Namen Ananda Tirtha und später nahm er selbst den Namen Madhva an. In vielen seiner Schriftwerke identifiziert sich Madhva Acharya als die dritte Inkarnation des im Rig-Veda erwähnten Mukhya-Prana (Hauptlebensenergie). Es heißt, dass das Mukhya-Prana die Gestalt des Windgottes Vayu annimmt und in drei Inkarnationen in dieser sterblichen Welt erscheint: Hanuman, dem treuen Diener Ramachandras; Bhima, dem zweitältesten der fünf Pandavas und schließlich als Madhva, der im Kali-Yuga als Sannyasi erscheint. Seine Nachfolger akzeptieren und verehren ihn als eine Inkarnation von Vayudeva, dem Windgott. Bisweilen wird Madhva Acharya wegen seiner umfassenden Gelehrtheit auch Purnaprajna genannt.

Für uns, die Nachfolger von Sri Krischna Chaitanya Mahaprabhu, ist Madhva Acharya ein wichtiger Lehrer in unserer Sampradaya, die als Brahma-Madhva-Gaudiya Sampradaya bekannt ist. Brahma nach dem Gott Brahma, der unsere Sampradaya begründete nachdem er von Sri Krischna Selbst in spirituellem Wissen erleuchtet wurde, dann Madhva, dessen Erscheinungstag wir heute zelebrieren und der die Sampradaya in der Neuzeit reformierte und schließlich Gaudiya als Hinweis auf den Teil der Sampradaya, der Sri Chaitanya Mahaprabhu folgt. Sriman Mahaprabhu schloß sich formell, d.h. durch Einweihung, dieser theistischen Linie an, weil der erhabene Gottgeweihte Sri Madhavendra Puri, der Pionier der Verehrung von Sri-Sri Radha-Krischna, formell dieser Sampradaya angehörte. Sriman Mahaprabhu nahm Einweihung von Sri Isvara Puri, dem liebsten Schüler Madhavendra Puris, an.

Madhvas Kindheit ist voll von Wundern und wundersamen Ereignissen. So konnte sein Vater ihn als Baby sicher durch einen von gefährlichen Tigern besiedelten Dschungel tragen, um ihn im Tempel von Anantesvara in Udupi segnen zu lassen. Es wird auch gesagt, dass Madhva als Junge oft vermisst wurde und später in einem der Tempel in der Umgebung, wo er mit den Priestern philosofische Diskussionen führte oder Gott verehrte, aufgefunden wurde. Madhva tilgte einmal auf wundersame Art und Weise die Schulden seines Vaters, indem er dem Schuldeneintreiber eine Handvoll Samen gab, die sich in Münzen verwandelten. Auch wird erzählt, dass er, anstatt Lesen und Schreiben zu lernen, es vorzog mit seinen Freunden zu ringen und Schwimmen zu gehen. Zum großen Erstaunen seiner Lehrer absolvierte er trotzdem die Prüfungen mit Leichtigkeit.

Zur Zeit Madhva Acharyas beherrschte Sankara Acharyas Lehre des Advaita-Vedanta die Vedische Erziehung. Es wird berichtet, dass diese Lehre Sankaras den jungen Madhva äußerst empörte. Das brachte ihn oft mit seinen Lehrern in Konflikt. Tatsächlich wurde diese Ablehnung des Advaita-Vedanta die treibendste Kraft in Madhvas Leben und er verbrachte die meiste Zeit seines Lebens damit, diese Auffassung zu bekämpfen. Wenn wir die Theologie als Ganzes sehen und als Gottes Plan, die wahre Religion in der Welt aufrechtzuerhalten, dann erkennen wir eine Evolution, die, angefangen mit der Inkarnation Buddhas und fortgesetzt über Sankara, dann Ramanuja und dann Madhva, das Erscheinen Sri Chaitanya Mahaprabhus als dem Yuga-Avatar vorbereiteten.

Nach seinem Studium in Udupi reiste Madhva nach Tamil Nadu, wo er fortgesetzt mit Advaita-Gelehrten debattierte. Sein ganzes Leben hindurch debattierte Madhva auf all seinen Reisen nicht nur mit Advaita-Anhängern, sondern auch mit Jains, Buddhisten und Logikern. Diese erste Reise nach Tamil Nadu war äußerst wichtig für Madhva, denn er erfuhr aus eigener Erfahrung, dass die Nachfolger Ramanuja Acharyas ebenso Sankaras Advaita-Vedanta bekämpften. Er konnte erleben, wie sie Sankara in Debatten angriffen und erkannte, dass die Festung des Advaita doch nicht unüberwindlich war. In der Folge gründete Madhva Acharya entschlossen seine eigene Schule für Vedisches Gedankengut, um offenzulegen, dass Sankaras Auslegung der Veden eine Verschleierung und nicht eine Offenbarung der Wahrheit ist.

Madhva kehrte bald nach Udupi zurück, doch schon bald fühlte er sich zu weiteren Reisen inspiriert. Dieses Mal führten ihn seine Wege nach Nordindien. Insbesondere wollte er Srila Vyasadev, den Verfasser der Veden, in dessen Badarika Aschram in den nördlichen Himalayas besuchen. Veda Vyasa soll noch immer dort in diesen abgelegenen Bergen weilen. Es ist nicht bekannt, welche Route Madhva nahm oder was auf der Reise geschah, doch nach seiner Ankunft in Badari verschwand er in einer Nacht auf mysteriöse Weise. Es wird gesagt, dass er allein in die mystische Wohnstatt von Vyasa aufgestiegen sei. Es vergingen viele Monate und Madhvas Begleiter glaubten ihn bereits in den Bergen verloren. Als er schließlich wieder auftauchte, strahlte er und war äußerst erfreut. Er hatte die Segnungen Vyasadeva erhalten, dessen Vedanta-Sutra zu kommentieren und sobald er nach Udupi zurückkam, machte Madhva sich an dieses berühmte Werk.

Mit dem Eifer von Hanuman began Madhva seine Missionarstätigkeit. In seiner Jugend war er ein vorzüglicher Athlet und jetzt kam ihm seine körperliche Kraft und kräftige Stimme auf seinen Reisen und Predigden zu gute. Madhva war so erfolgreich mit seinen Lehren, dass er schon bald seine ehemaligen Lehrer und viele andere Gelehrte zu Nachfolgern seiner neuen Schule Vedischen Gedankengutes machte.  Das Madhva-vijaya beschreibt die Wirkung, die Madhva auf sein Publikum hatte wie folgt: “Die Menschen kamen in großen Mengen, um jenen Madhva Acharya zu sehen, der mit seinem sanften Lächeln, seinen Lotosaugen, seiner goldenen Hauttönung und seinen segensreichen Worten dem strahlenden Mond glich. Er hatte den Gang eines jungen Löwen, Füße und Hände wie Sprossen, Nägel wie Rubine, Schenkel wie Elefantenrüssel, eine starke Brust und lange, muskuläre Arme. In der Tat nahmen die Bildhauer, die heilige Bildgestalten erstellten, ihn als Modell für ihre Kunstwerke.”  

Schon bald eröffnete Madhva in Udupi seinen eigenen Tempel und installierte eine anmutige Bildgestalt von Bala Krischna, Sri Krischna als kleiner Junge. Erzählungen zufolge bekam Madhva diese Bildgestalt als er ein Schiff in Seenot vor der Küste von Udupi rettete. In einem heftigen Sturm signalisierte Madhva das Schiff durch die gefährlichen Riffe an den Strand, indem er eine Lampe schwenkte. Der Kapitän des Schiffes, überzeugt, dass er die Rettung des Schiffes und der Besatzung der Barmherzigkeit Madhvas zu verdanken hatte, bot diesem ein Geschenk nach freier Wahl an. Madhva wählte den Lehmklumpen (Gopi-chandan), der auf dem Schiff als Ballast benutzt worden war. Als Madhva den Lehmklumpen wusch, entdeckte er darin die wunderschöne Statue von Sri Krischna. Er trug sie nach Udupi und begann sie dort persönlich zu verehren. Diese Bildgestalt wird noch heute in dem bedeutendsten Tempel von Udupi, dem Krischna Math, verehrt. Dieser, von Madhva Acharya gegründete Tempel ist einer der bekanntesten Krischnatempel in ganz Indien. Es wird gesagt, dass die Lampe neben dieser Bildgestalt Krischnas von Madhva Acharya selbst angezündet wurde und seither nie verloschen ist.

Madhva Acharya verfasste viele wichtige Kommentare zu den Upanischaden, der Bhagavad-gita, dem Brahma-Sutra (auch Vedanta-Sutra genannt), dem Mahabharata und dem Srimad-Bhagavatam. Darüber hinaus schrieb er viele Abhandlungen zu seiner neuen Lehre.

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Madhva mit Lehren und Verehrung. Am Ende wies er seine Nachfolger an, nicht still dazusitzen, sondern auszuziehen und zu predigen. In seiner Biografie lesen wir, dass Madhva Acharya eines Abends verschwand, während er seinen bevorzugten Text, die Aitareya Upanischad, rezitierte. Gandharvas und andere himmlische Wesen versammelten sich über ihm am Himmel und ließen Blumen auf ihn herabregnen. Es heißt, dass er plötzlich unter diesem Berg von Blumen verschwand und nun, der gemeinen Sicht entzogen, mit Veda Vyasa in dessen Badarika Aschram in den hohen Bergen des Himalaya wohnt.
 

 

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Auf dem Stand vom 21 Oktober 2007